Erste Hilfe am Kind bei Verbrennungen & Verbrühungen

In Deutschland sind Brandverletzungen die dritthäufigste Unfallursache im Kindesalter. Jährlich werden über 2000 stationäre Aufnahmen mit operativer Versorgung verzeichnet.

Mehr als die Hälfte der thermischen Verletzungen passieren bei Kindern unter 3 Jahren, bedingt durch den höhere motorische Aktivität und das noch fehlende Gefahrenbewusstsein.

60%-80% der thermischen Verletzungen passieren zuhause im Haushalt und sind Verbrühungen mit heißer Flüssigkeit die sogenannten „Latzverbrühungen“ im Brustbereich des Kindes durch Herunterziehen von heißen Flüssigkeiten, besonders Suppen oder Saucen verbleiben aufgrund der Konsistenz länger auf der Haut und führen zu tieferen Verbrühungen.

Die Tiefe der Verbrennungen/Verbrühungen hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Temperatur der Flüssigkeit
  • Art/Konsistenz der Flüssigkeit
  • Dicke der Haut
  • Kontaktdauer

Eine Tasse mit heißer Flüssigkeit kann bei einem Baby oder Kleinkind eine lebensgefährliche Verfrühung von bis zu 30% der Körperoberfläche führen.

Häufig passieren Brandverletzungen bei Kindern in Gegenwart von den Eltern oder Betreuer, ältere Kinder verbrennen sich eher beim Experimentieren mit Feuer z.B. mit Sprühflaschen Aerosolen eine große Flamme zu erzeugen, Kontaktverbrennungen, Grillunfälle, chemische Verbrennungen, Verbrennungen durch Strom oder der Brandbeschleuniger mit anschließender Verpuffung.

Verpuffungen und Stichflammen können auch zu einer Inhalationsverbrennung führen, die anschwellenden Atemwege erzeugen starke Atemnot die schnelle Erste Hilfe gerade bei Kindern erfordern.

Verbrennungen schädigen die Haut oft tiefer als Verbrühungen und die Verbrennungstiefe und die Ausdehnung der Verbrennungsfläche, die Ausdehnung wird in Prozent der Körperfläche angegeben.

Als Faustregel gilt die Handinnenfläche mit Fingerbeugeseiten des Kindes entspricht ca. 1%

Einteilung Klinik Histologie Prognose
Grad I Hautrötung, Schwellung oberflächliche Epithelschädigung vollständige Abheilung
Grad IIa Blasenbildung, roter Wundgrund, Schmerzen Schädigung der Ober- und teilweise Unterhaut Abheilung ohne Narben innerhalb 14 Tagen
Grad IIb Blasenbildung, weißlicher Wundgrund, Schädigung Hautanhangsgebilde Ober- und Unterhaut geschädigt Abheilung (mit Narben) möglich, chirurgische Therapie nötig
Grad III Gewebe nach Reinigung weiß, keine Schmerzen Ober- und Unterhaut vollständig zerstört Abheilung mit Narben, chirurgische Therapie
Grad IV Gewebe verkohlt, keine Schmerzen Ober- und Unterhaut vollständig zerstört, evtl. auch Muskeln und Knochen, Gelenke Abheilung mit Narben, chirurgische Therapie, evtl. Amputation möglich

Die Erste Hilfe direkt am Unfallort:

  1. Sichern aus dem Gefahrenbereich
  2. Lebenswichtige Funktionen (Atmung) überprüfen
  3. Kleidung und Schmuck des Patienten entfernen
  4. Kleinere Wunden in den ersten 30 Minuten 10-15 Minuten mit lauwarmen Wasser kühlen, das Wasser sollte mindestens 25° betragen. Temperaturen unter 25° haben eine stark auskühlende Wirkung bei Kindern (Beispiel: wenn Sie ein öffentliches Schwimmbad besuchen beträgt die genormte Wassertemperatur 27°-28° und wir fühlen die Kühle vor allem im Bauch- und Brustbereich).
    Eine Unterkühlung bei kleinen Kindern muss unbedingt vermieden werden, die Hypothermie ist oft lebensbedrohlicher als die Brandverletzung selber, daher dürfen Babys und Kleinkinder nicht im Bauch- und Brustraum gekühlt werden.
    Kleine Wunden – nicht größer als die eigene Handinnenfläche des Kindes- an Armen und Beinen können mit lauwarmen Wasser gekühlt werden.
  5. Bei Verbrühungen im Latzbereich des Kindes (Brust und Bauch), bitte sofort die Kleidung und Windel ausziehen, ich empfehle gerne währenddessen zu pusten, um mit dieser leichten Kühlung den Verbrennungsschmerz etwas abzumildern.

Die Initiative Paulinchen e.V. für brandverletzt Kinder informiert über wichtige präventive Schutzmaßnahmen und Behandlungen.

Gemeinsam mit Paulinchen e.V. wird die Kinderfee Hamburg am 07. Dezember ein online Webinar mit dem Thema Verbrennungen und Verbrühungen veranstalten.

 

Die Mindestgebühr für die Teilnahme beträgt mindestens 20€ und der Erlös geht zu 100% an Paulinchen e.V.

 

Anmeldung: info@paulinchen.de

In unseren Erste Hilfe Kursen am Kind und Baby erlernen Sie die richtigen Maßnahmen und erfahren viel über Prävention und aktuelle Schutzmaßnahmen.

Vorsichtsmaßnahmen

  • Stellen Sie Tassen oder Kannen mit heißen Getränken weit entfernt vom Tischrand auf!
  • Verwenden Sie keine herunterhängenden Tischdecken!
  • Achten Sie bei Tauchsiedern oder Wasserkochern auf herabhängende Kabel!
  • Essen oder trinken Sie nichts Heißes, während das Kind auf Ihrem Schoß sitzt!
  • Kochen Sie möglichst auf den hinteren Herdplatten! Sichern Sie den Herd mit einem Gitter!
  • Topf und Pfannengriffe nach hinten drehen!
  • Brennendes Fett in der Pfanne mit einem Deckel ersticken, niemals mit Wasser löschen!
  • Fläschchen und Brei aus der Mikrowelle fühlen sich oft nur lauwarm an, obwohl der Inhalt kochend heiß ist. Daher gut umrühren und vor dem Füttern selbst probieren!
  • Lassen Sie Ihr Kind nie allein mit offenem Feuer!
  • Sperren Sie Streichhölzer und Feuerzeuge konsequent weg! Unterschätzen Sie nicht die Reichweite Ihres Kindes – sie erhöht sich täglich.
  • Lassen Sie zu Beginn nie heißes Wasser in die Badewanne einlaufen. Verwenden Sie Mischbatterien!
  • Elektrische Geräte wie Fernseher, Stereoanlage und Computer beim Verlassen des Hauses nicht auf Stand-by-Betrieb lassen, sondern am Hauptschalter komplett ausschalten.
  • Fernsehgeräte nicht in der Nähe von Heizkörpern, Öfen und brennbaren Gegenständen aufstellen, zur Ableitung der entstehenden Wärme ist ein Mindestabstand von 10 cm zu anderen Einrichtungsgegenständen ratsam.
  • Besuchen Sie ein Erste Hilfe am Kind Seminar oder frischen Sie Ihre Kenntnisse regelmäßig auf.