Unfälle im Kindesalter, eine Information der kinderfee-hamburg

Die Bundesanstalt für Arbeit geht von fast 2 Millionen Kinderunfälle im Jahr aus. Unfälle treten nicht schicksalhaft auf und können auch nicht als unabwendbare Folge der zunehmenden technischen Entwicklung und der veränderten Umwelt akzeptiert werden. Unfälle werden verursacht und sind bei entsprechendem Gefahrenbewusstsein sowie einer technisch sicheren Umweltgestaltung zu 60% vermeidbar.

Ein sicherheitsorientiertes Verhalten der Kinder ist abhängig von vielen physiologischen und psychologischen Fähigkeiten, die erst im Laufe der Kindheit erworben werden. Mit ungefähr 12 Jahren hat man die körperliche und geistige Voraussetzung zur Entwicklung des Gefahrenbewusstseins.

Besonders Kleinkinder sind stark von ihren eigenen Gefühlen und Wahrnehmungen beeinflusst und denken, dass alle auf die gleiche Art denken. Ein Beispiel: Wenn ein Kind bei Dunkelheit eine Straße überqueren will, möglicherweise steht es noch hinter einem Blumenkübel, und sieht das heranfahrende Auto mit Licht. Jetzt denkt es, das der Autofahrer ihn auch sieht, sowie das Kind ja auch das Auto sehen kann.

Hinzu kommen:

  • Fehlende Aufmerksamkeit.
  • Hohe Ablenkbarkeit, man folgt dem stärksten Reiz.
  • Nah- und Fernsehen ist noch nicht voll entwickelt.
  • Hörfähigkeit um 10dB weniger als beim Erwachsenen.
  • Verlangsamte Reaktionszeit
  • Anderer Körperschwerpunkt
  • Koordination von Sehen und Motorik entwickelt sich langsamer.


Ein akutes Gefahrenbewusstsein entwickelt sich ca. bis zum Alter von 6 Jahren (die Herdplatte ist heiß). Danach folgt ein vorausschauendes Gefahrenbewusstsein (der Ast ist dünn oder die Straße ist steil) und mit ca.10 Jahren wird es dann ein präventives Gefahrenbewusstsein (ich setzte den Fahrradhelm auf beim Fahrrad fahren).

Alter Gefahrenbewusstsein
0 – 4 Jahre Säuglinge und Kleinkinder besitzen noch kein Bewusstsein für Gefahren.
Ab ca. 4 Jahre Ein erstes Gefahrenbewusstsein setzt ein.
ca. 5 -6 Jahre Kinder können akute Gefahren erkennen sich aber noch nicht ausreichend schätzen. (Das Kind merkt erst oben auf dem Baum, dass es auch herunterfallen kann).
Ab ca. 8 Jahre Erkennt vorausschauend Gefahren. (Auf den Baum klettere ich lieber nicht, der ist mir zu hoch).
ca. 10 – 12 Jahren Vorbeugendes Gefahrenbewusstsein. (Wir legen beim Sport die dicke Bodenmatte unter die Kletterwand).
ca. 14 Jahre Meist wird erst in diesem Alter vorrausschauendes und vorbeugendes Gefahrenbewusstsein umgesetzt.

 

Kinderunfälle und Kindernotfälle in Daten und Fakten:

  • Im Jahr 2003 hatten, von den in Deutschland lebenden 12,3 Mio. Kindern unter 15 Jahren, hochgerechnet 1,72 Mio. einen Unfall.
  • ca. 47% aller verletzten Kinder sind jünger als sechs Jahre (2000).
  • ca. 58% der verletzte Kinder sind Jungen. (Hoher Bewegungsdrang, Mutproben etc.).Häufigste Unfallursache sind Stürze.
  • Im Jahr 2003 verunglückten insgesamt 475 Kinder tödlich.
    Davon 213 durch Verkehrsunfälle, 72 durch Ertrinken, 37 durch Feuer und Rauch.
    Knapp 41% waren unter 5 Jahre.


Alters- und entwicklungsbedingte Schwerpunkte:

Alter Typische Unfallschwerpunkte
0 – 6 Monate Sturzunfälle, vor allem vom Wickeltisch.
Ersticken.
7 Monate – ca.4 Jahre Verschlucken von Gegenständen.
Vergiftungen und Verätzungen.
Verbennungen und Verbrühungen.
Stürze beim Treppensteigen und Gehfrei (Lauflernhilfe).
Elektrounfälle un Ertrinken (Gartenteich, Regentonne)
Ab ca. 5 Jahren Sport- und Freizeitunfälle.
Verkehrsunfälle (Das Tragen eines Fahrradhelms schützt bis
zu 85% vor lebensbedrohlichen Kindernotfällen).