Definition und Epidemiologie von Fieberkrämpfen

Fieberkrämpfe sind die häufigste Manifestationsform zerebraler Krampfanfälle.
2-5% aller europäischen und nordamerikanischen Kinder (6-9% in Japan) erleiden zumindest einen Fieberkrampf, die meisten Mitte des 2. Lebensjahres. Fieberkrämpfe sind epileptische Gelegenheitsanfälle. Sie treten jenseits des 1. Lebensmonats im Rahmen Fieberhafter Infektionskrankheiten ohne Beteiligung des Zentralnervensystem (ZNS) auf. Die Körpertemperatur beträgt dabei mindestens 38°C.

Ein epileptischer Krampfanfall wird als Fieberkrampf definiert:

  • Jenseits des 1. Lebensmonat
  • In Verbindung mit extra-zerebraler, fieberhafter Erkrankung (keine ZNS-Infektion)
    (ZNS = Zentrales Nervensystem)
  • ohne vorausgegangene Neugeborenkrämpfe oder nicht fieberhafte Anfälle und
  • ohne Zeichen eines anderen symptomatischen Anfalls.

Merke Fieberkrämpfe werden als Gelegenheitskrämpfe und nicht als Epilepsie aufgefasst.

Ätiologie und Pathogenese
Das Fieber verringert die Krampfschwelle, die altersabhängig, individuell unterschiedlich und möglicherweise genetisch determiniert ist. Fieberkrämpfe folgen einem komplexen Vererbungsmuster, sind also genetisch heterogen, und bisher konnten nur wenige beteiligte Gene sicher identifiziert werden.

In der neusten Literatur gibt es Hinweise, dass Polymorphismen und Interleukinrezeptorantagonisten (IL-1Ra) genetische Marker für Neigung zu Fieberkrämpfen darstellen können. Prä- und perinatale Läsionen des ZNS erleichtern die Manifestation der Fieberkrämpfe.

Merke Fieber, Altersabhängigkeit, genetische Prädisposition sowie prä- und perinatale Störungen des ZNS sind die wichtigsten ätiopathogenetischen Faktoren.

 

Wie sieht ein Fieberkrampf aus?

Fieberkrämpfe sind in der Regel tonisch –klonische Anfälle von einigen Sekunden bis zu mehreren Minuten. Versteifungen, Verkrampfungen, verdrehte Augen oder/und Grimassieren sind in der Tat kein schöner Anblick und löst Panik aus. Ruhe bewahren ist hier eine wichtige Erste Hilfe Maßnahme bei Kindern.

Viele Kinder haben beim Auftreten des Anfalls eine Temperatur um 39° oder höher.

 


Die einfachen (unkomplizierten) Fieberkrämpfe sind mit ca. 80% am häufigsten. Die Einteilung bezieht sich auf das spätere Risiko, an Epilepsie zu erkranken. Dieses Risiko ist nach Fieberkrämpfen zwar generell erhöht, bei Fehlen komplizierender Faktoren aber nur um 2,5-4%.

Der Fieberkrampf wird nicht nur durch das Fieber generell ausgelöst, sondern häufiger durch die ansteigende oder schnell abfallende Temperatur.

Ein Fieberkrampf ist die häufigste Krampfneigung die selten zu Komplikationen führt und die Kinder sich völlig normal entwickeln.

Der Altersgipfel liegt zwischen dem 17. und 23. Lebensmonat.

 

Erste Hilfe Maßnahmen am Kind, im Falle eines Fieberkrampfes:

  1. Schützen Sie das Kind vor Verletzungen (Ecken, Kanten oder Herunterfallen).
  2. Versuchen Sie nicht das Krampfen durch Festhalten zu unterbinden, Sie können aber die Hand auflegen und die ganze Zeit beruhigend mit dem Kind reden.
  3. Nach dem Krampf: Ansprechen-Anfassen-Atemkontrolle und ggf. mit lebenserhaltenen Maßnahmen als Erste Hilfe beginnen.
  4. Rufen Sie den Notarzt. 112 Warten auf Rückfragen!
  5. Ist das Kind im Dämmerzustand oder bewusstlos, legen Sie es auf die Seite, ist das Kind unter 1 Meter groß ist die Bauchlage besser, so stabilisieren Sie die Atmung.
  6. Haben Sie Notfallmedikamente gegen Fieberkrämpfe können Sie es dem Kind jetzt verabreichen.
  7. Wenn das Kind noch fiebert kann man das Fieber mit Paracetamol senken. Seien Sie vorsichtig mit der Dosierung und den Zeitabständen, denn auch rasch abfallendes Fieber kann den Krampf auslösen.
  8. Als Prävention und Erste Hilfe sind fiebersenkende Maßnahmen bei Infekten mit Temperaturanstieg ab 38-38,5° empfehlenswert.